Mathematische Grundlagen

Polynom

Polynome kennen Sie aus der Schule, zum Beispiel als Gleichungen für eine Gerade oder für eine Parabel, also als Funktionen, die für einen x-Wert einen Funktionswert y ergeben.

Definition:  Sei K ein Körper. Eine Abbildung  p : K → K mit

p(x)  =  an-1·xn-1 + ... + a0·x0

für alle x ∈ K,  wobei n ∈ ℕ,  ai ∈ K,  heißt Polynom über K.1)

 

Die Zahlen ai heißen Koeffizienten von p. Sind alle Koeffizienten Null, d.h. gilt ai = 0 für alle i ∈ ℕ0, so heißt das Polynom p das Nullpolynom.

 

Häufig werden Polynome auch als rein formale Objekte verwendet, also nicht als Funktionen, deren Funktionswert von Interesse ist. Im Grunde ist dann nur der Vektor [a0 ... an-1] der Koeffizienten des Polynoms von Interesse. Die Darstellung dieses Koeffizientenvektors als Polynom ist jedoch hilfreich, um eine Multiplikation von Vektoren zu definieren.

Schreibweise:  Wie die Darstellung als Koeffizientenvektor nahelegt, werden Polynome auch manchmal mit der niedrigsten Potenz von x zuerst geschrieben:

p(x)  =  a0·x0 + ... + an-1·xn-1

 

Der Grad des Polynoms p ist die höchste in p vorkommende Potenz von x, d.h. es ist

grad(p)  =   geschweifte Klammer
 k    falls ak ≠ 0  und   ai = 0   für alle i > k,   k ∈ ℕ0
- ∞       sonst   (nur im Falle des Nullpolynoms)

Die Menge der Polynome über K wird als K[x] bezeichnet.

Beispiel:  Betrachten Sie folgende Polynome über ℝ (d.h. es ist K = ℝ, der Körper der reellen Zahlen):

p1  =  1.5x3 – 0.67x2 + x + 6

p2  =  x4 + x2 + 1

p3  =  0x5 + 0x4 + 0x3 – 12x2 – 0.5x + 4

p4  =  3

p5  =  0

Das Polynom p1 hat die Koeffizienten 1.5, -0.67, 1 und 6; der Grad von p1 ist 3, weil x3 die höchste Potenz in p1 ist.

In p2 sind die Koeffizienten von x3 und x gleich Null.

Der Grad von p3 ist 2, weil die Koeffizienten der höheren Potenzen von x gleich Null sind.

Jedes Element a des Körpers lässt sich als Polynom ax0 auf­fassen, hier p4 = 3x0.

p5 ist das Nullpolynom.

Die Menge der Polynome K[x] ist ein Ring, d.h. eine Struktur, in der Sie addieren, subtrahieren und multiplizieren können (z.B. ist die Menge ℤ der ganzen Zahlen auch ein Ring). Die Rechenoperationen in K[x] gehen aus den Rechenregeln des Körpers K hervor 2).

Anders als in einem Körper können Sie in einem Ring nicht dividieren, sondern es gibt (wie in ℤ) nur eine Division mit Rest.

Satz:  Sind f und g Polynome, g ≠ 0, dann gibt es eine eindeutige Darstellung

f  =  q · g + r   mit   grad(r)  <  grad(g)

Hierbei ist das Polynom r der Rest bei Division von f durch g und das Polynom q ist der Quotient.

Beispiel:  Seien   f  =  6x3 + 7x2 + 6x + 4   und   g  =  2x2 + x + 1. Dann erhalten Sie bei Division von f durch g den Quotienten   q  =  3x + 2  und den Rest   r  =  x + 2.

 

Anwendungen

In der Codierungstheorie spielen Polynome über dem Körper K = ℤ2 eine bedeutende Rolle, zum Beispiel beim CRC-Verfahren.

In der Kryptografie werden Polynome über endlichen Körpernp oder 𝔽2m verwendet.


1)  Statt Polynomen über einem Körper kann man auch Polynome über einem Ring betrachten.

2)  K[x] ist sogar ein spezieller Ring, ein sogenannter Integritätsbereich.

 

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H.W. Lang   mail@hwlang.de   Impressum   Datenschutz
Created: 10.03.1997   Updated: 31.03.2026
Diese Webseiten sind größtenteils während meiner Lehrtätigkeit an der Hochschule Flensburg entstanden